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Müssen wir in Beziehungen Kompromisse eingehen?

Warum böse Mädchen Jogginghosen tragen dürfen und dafür auch noch gefeiert werden!


Ich bin ab und zu ziemlich garstig, ja sogar aufbrausend, ich kann sehr ungeduldig sein und verstehe manchmal überhaupt keinen Spaß, verfalle in regelmäßige PMS-Depri-Agro-Drama-Phasen, wie jede Frau habe ich dann einfach ALLES an mir auszusetzen und ich schnauze meinen Mann auch mal an, wenn er die Klobrille nicht herunterklappt. Noch dazu bin ich eine echte Heulsuse. Ich habe Akne und Cellulite, mach KEINEN Sport und vernachlässige den Haushalt sowas von HARDCORE! wenn ich in meinem Arbeitsflow bin. Ich kann kochen, tue es aber nicht und es gibt Tage, da wäre ich ohne Lieferando nicht lebensfähig. Und ich trage Jogginghosen.. ziemlich oft. :D


Ich bin nicht perfekt und werde es nie sein. Doch derjenige, mit dem ich mein Leben teile muss dieses Pulverfass händeln können und mehr noch: er muss es lieben mit allem was dazu gehört.. und das tut er und dafür bin ich ihm sehr dankbar ;) Doch das war nicht immer so...



Kompromiss. Ich mochte dieses Wort nie besonders.

Aber ich dachte immer, dass zu einer gesunden Beziehung Kompromisse dazugehören... die Klügere gibt schließlich nach, oder?


Und ich gab oft nach, sehr oft. Denn grundsätzlich bin ich ein sehr konfliktscheuer Mensch.

Ich mag es nicht zu streiten und mit jemandem im Clinch zu liegen. Ich war also prädestiniert dafür „Kompromisse“ einzugehen; alles um des lieben Friedens willen… „man kann eben nicht alles haben...“


Der Mann mit dem ich zusammen war hatte feste Grundsätze, er wirkte sehr selbstbewußt und männlich und das mochte ich auch an ihm. Bis zu dem Tag an dem ich das erste mal realisierte, dass meine Bedürfnisse und Gefühle, bis hin zu der Art wie ich mich kleidete, mein Brot aß oder die simple Tatsache dass ich ein warmherziges, kroatisches Temperament besaß, mißbilligt wurden… Wenn ich damals ehrlich zu mir selbst gewesen wäre, hätte ich mir eingestehen müssen, dass ich mit so einem Mann niemals wirklich glücklich werden konnte. Doch das tat ich nicht.


Aus Angst, ich könnte nicht ohne ihn leben ließ ich zu, dass sich mein ganzes Denken nur noch um ihn drehte.

Die Beziehung schritt voran während ich mir allmählich begann einzureden, dass es ok ist, wenn er mich schlecht behandelte und dass das eben etwas war, dass ich aushalten musste. Ich sollte ok damit sein, dass er sich nicht meldete und ich ihn nie erreichen konnte. Aus Angst, ich könnte nicht ohne ihn leben und würde nie wieder so jemanden wie ihn finden (jaja, ich weiß, ich war halt jung und doof :D) ließ ich zu, dass sich mein ganzes Denken nur noch um ihn drehte. Ich vernachlässigte meine Bedürfnisse und gab mich mit so wenig zufrieden, dass ich mich heute ernsthaft frage, wie ich so überhaupt hatte existieren können?!


Nach Außen und im Job eine gestandene Frau, mit beiden Beinen im Leben, war ich in der Beziehung zu einem Mann das kleine Frauchen, dass ihm sein Lieblingsessen kochte, auf ihn wartete und insgeheim als „Payoff“ für diese Investition hoffte, er würde mir einfach nur seine Aufmerksamkeit schenken. Ich dachte wirklich, ich könnte ihm zeigen was für eine gute Partie ich für ihn bin indem ich ihm alles recht machte während ich jedes noch so rücksichtslose und unverschämte Verhalten entschuldigte, abpufferte und noch immer glaubte: „Naja, man muss in einer Beziehung eben Kompromisse eingehen“.


Das Ergebnis all meiner Bemühungen war allerdings genau das Gegenteil von dem, was ich hatte erreichen wollen. Statt mich auf Händen zu tragen, zog er sich immer mehr zurück bis eines Tages die Mail kam (immerhin!) in der er mir mitteilte, dass er sich mit mir keine langfristige Beziehung vorstellen konnte.


WHAAAT?!

Da war ich doch so ein braves Mädchen gewesen, war so viele Kompromisse eingegangen, hatte mich für ihn aufgeopfert und alles dafür getan, dass man mich einfach lieben MUSSTE und das war der Dank? Nach der 3,4,5… Beziehung, die jeweils nach dem gleichen Schema verlief, dämmerte es mir

allmählich: Was wenn es gar nichts bringt Kompromisse einzugehen?


Ehrlichkeit. Wahrhaftigkeit. Mut. Herz.

Erstmals kam ich auf die Idee, dass das Konzept „Kompromissbereitschaft“ nicht aufgeht, als mir in etwaigen Affären der Kragen geplatzt war, ich von jetzt auf nachher aufgehört hatte auf Eierschalen um ihn herum zu laufen und stattdessen die Furie rausließ. Ich schrie ihm dann meine Wahrheit ins Gesicht und dachte: "So das war’s, der packt morgen seine Sachen und ist weg…" und es war mir in dem Moment egal. Wie überrascht war ich doch, als der gleiche Typ plötzlich handzahm geworden war und anfing auf mich einzugehen! Alles, was ich bis dato „auf die nette Tour“ zu erreichen versucht hatte, bekam ich jetzt einfach auf dem Silbertablett serviert. Da bekam ich zum ersten Mal eine Ahnung davon was wirklich funktioniert und was nicht: Integrität tut es. Ehrlichkeit. Wahrhaftigkeit. Mut. Herz.


Die Frage ist also: Müssen wir in Beziehungen wirklich Kompromisse eingehen? Meine Antwort:


Ich glaube nicht an Kompromisse.

Nicht wenn es um die Dinge geht, die uns in einer Beziehung und an einem Mann wirklich wichtig sind. Statt uns von vornherein mit weniger zufrieden zu geben sollten wir uns lieber fragen: was sind die Eigenschaften und Charakterzüge die ein Mann haben muß damit ich mit ihm glücklich sein kann? Welche meiner Bedürfnisse und Wünsche MÜSSEN! erfüllt werden, damit ich mich in einer Beziehung überhaupt wohlfühlen kann? Was ist ein NoGo und welches Verhalten und Benehmen dulde ich um keinen Preis?


Wenn es um diese Dinge geht sind Kompromisse absolut fehl am Platz und der beste Weg jede Beziehung in den Sand zu setzen. Wie willst Du mit jemandem glücklich werden wenn Du Deine eigenen Bedürfnisse nicht akzeptierst und respektierst? Wie willst Du mit Selbstbewusstsein Deinem Partner gegenüber kommunizieren was Du brauchst, wenn Du es noch nicht einmal selbst wirklich weißt oder nicht dazu stehst? Und wieso sollte er Dich dann überhaupt ernst nehmen wenn Du es selbst nicht tust? Ich frage mich:


Wann haben wir Frauen uns mit dem Gedanken abgefunden, dass wir es nicht verdient haben auf Händen getragen zu werden?

Wann haben wir aufgehört uns selbst an erste Stelle zu stellen und wann wurden wir zur Jägerin statt die Gejagte zu sein? Alles nur aus Angst, dass uns niemand will so wie wir sind?


Jetzt mal ganz ehrlich: was haben wir denn zu verlieren wenn wir wir selbst sind? Im schlimmsten und zugleich besten Fall sortieren sich die Loser von alleine aus.


Ihm alles recht machen funktioniert sowieso nicht, dann können wir doch genauso gut gleich aufhören mit der Scharade und dem Woke-Up-Like-This-Makeup-Face und sparen dadurch wertvolle Zeit während der Weg frei wird für einen Mann, der uns einfach feiern kann so wie wir im echten Leben sind, mit echten Problemen und ohne High Heels in der Küche.


Und ja, ich bin der Überzeugung: Frau KANN alles haben. Einen Mann der toll aussieht UND sie auf Händen trägt. Wenn sie allerdings ihre kostbare Lebenszeit und ihr Herz an Typen verschwendet, die in ihr nicht das Juwel sehen, dass sie ist, dann kann es ihr schon mal so vorkommen, dass es keine guten Männer da draußen gibt. Auch ich habe das lange Zeit geglaubt, doch es gibt sie! Und bevor Du jetzt denkst, ich hatte einfach nur Glück sage ich Dir: Nein, diese Erfahrung und dieses Wissen habe ich mir bewusst erarbeitet.. aber das ist eine andere Geschichte :)


Eine Beziehung ist kein Ding bei dem man nichts zu verlieren hat - hier steht etwas unbezahlbares und wertvolles auf dem Spiel: unser zerbrechliches, wundervolles Herz.

Fakt ist doch: viele Frauen gehen Beziehungen ein als würden sie gar nicht wollen, dass sie lange halten. Es ist als würde sie sich ein billiges, klappriges Auto kaufen, noch dazu ohne vorher Probe zu fahren oder zumindest zu checken ob es TÜV hat, nur um sich dann zu wundern, dass es nach kürzester Zeit kaputt ist.


Doch eine Beziehung ist kein Ding bei dem man nichts anderes zu verlieren hat außer vielleicht etwas Geld oder ein Fortbewegungsmittel. Hier steht etwas unbezahlbares und wertvolles auf dem Spiel, dass nicht gekauft sondern nur verschenkt werden kann: unser nacktes Ich und unser zerbrechliches, wundervolles Herz. Und deshalb sollte Frau sehr genau prüfen wen sie an ihr kostbarstes Inneres heran lässt, und zwar so lange, bis sich dieser würdig erweist… oder eben nicht… und darin liegt auch schon das ganze Geheimnis.


Ich hatte irgendwann einfach begriffen, dass ich einen Mann wollte, der mich noch in meinem schlimmsten Zustand vergöttert und liebt, dem ich bedingungslos vertrauen kann weil er nur mein Bestes im Sinn hat und jemand, der offen für meine Bedürfnisse und echte Kommunikation ist, dessen Ziel kein Kompromiss sondern immer eine Win-Win Lösung ist. Klar gehe ich manchmal noch Kompromisse ein wenn es z.B. um die Farbe der Vorhänge geht ;) Doch niemals wenn es um mein Herz und meine Integrität geht denn ich habe gelernt, dass ich ohne sie nicht leben kann … aber ohne den Typ schon.


Kompromiss…Hm… Neee, ich mochte dieses Wort nie besonders.

Win-Win gefällt mir besser :)


<3 Kolinda Groe

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