Ich bin das Problem
- Kolinda Groe

- 4. März
- 7 Min. Lesezeit
Wie ich aufhörte, die Menschen um mich herum reparieren zu wollen – und begann, die Wahrheit über mich selbst anzunehmen … und was Taylor Swift dazu sagt ;)
Wenn man 33 Jahre jung, single und gerade in einem Umbruch im Leben steht, denkt man in der Regel nicht weiter darüber nach. Nee, man (oder in dem Fall frau) zieht einfach um :D - sie sucht sich ne Wohnung, stopft sie mit neuen Möbeln voll und sagt sich: „Ich brauche jetzt erstmal Zeit für mich.“
Übrigens sind solche Umbrüche und Übergänge sehr oft einfach Wachstumsschmerzen, die genau dann auftreten, wenn das Leben einen vor die Wahl stellt: Wahrheit oder Verleugnung, Klarheit oder lieber noch ein bisschen im Trüben fischen – was darf’s sein?
Nicht, dass mir das damals wirklich klar gewesen wäre. Mir war auch nicht klar, dass ich eigentlich auf der Flucht war … vor meiner eigenen Unbewusstheit.
Ich dachte, ich wollte einfach „nur“ neu starten, ein neues Leben anfangen und all das emotionale Drama der letzten Jahre hinter mir lassen. Ich wollte ein neuer Mensch werden – Man, ich hielt mich für sowas von reif.
Ich war überzeugt, wenn ich die Örtlichkeit wechsle, wird alles gut werden und dass mir die Geister der Vergangenheit in meine neue, klein-aber-fein, cozy 2 Zi.-Küche-Bad-Wohnung mit Balkon nicht folgen würden.
Ich war fest entschlossen, hier ein neues Kapitel aufzuschlagen. Eines, in dem ich mich vor den falschen Menschen hüte, meiner Familie aus dem Weg gehe (Triggeralarm!) – und vor allem niemals – never ever, ever, ever – wieder zulasse, dass mich irgendjemand emotional so sehr aus der Bahn wirft, dass ich meinen inneren Kompass verliere.
Ich war allein. Alles auf null. Und ich mochte es.
Taylor Swift kennt diesen Modus wohl auch, denn sie beschreibt es in ihrem Song Anti-Hero so:
„Midnights become my afternoons“ – und genauso war’s.
Ich schlug mir die Nächte um die Ohren und schlief bis in die Puppen, aß Mikrowellenfraß und schaute stundenlang fern – kurz gesagt: ich lebte wie n Teenie (nur ohne die Mama, die einen ständig ausm Bett schmeißen will, damit man sein Leben nicht vergeudet :D) – Ein Luxus, den ich als freischaffende Sängerin, die von Gig zu Gig tourt und keine festen Arbeitszeiten in dem Sinne hat, durchaus zu schätzen wusste.
Und überhaupt: ich kam alleine immer gut klar. Besser als in Gesellschaft, besser als in Beziehungen oder bei Familienfeiern oder im Nightliner, wenn ich auf Tour war.
Alleine fühlte ich mich frei, konnte ich die sein, die ich war … keine Rollen, keine Masken, keine Schutzmechanismen.
Also ja, die erste Zeit war toll. Ich erholte mich und schöpfte neue Kraft – doch wie sich herausstellte, war es mehr als das. Das Leben bereitete mich so auf das vor, was noch kommen sollte …
Denn es gab da eine Sache, mit der ich nicht gerechnet hatte:
Stille ist tückisch.
Sie schleicht sich hinterrücks an einen heran und lässt kleine Wahrheitsbomben platzen, wenn man nicht aufpasst und sich jaa beschäftigt hält ;)
Eines Abends – ich hatte gerade mein neues Boxspringbett selbst-ist-die-Frau-mäßig aufgebaut und bezogen, danach ein Bild davon auf Facebook gepostet – klick – und mich anschließend auf das Himmel von einem Bett fallen lassen.
Und dann: Boom!
Da war sie, die Wahrheit – like the elephant in the room - und ich konnte nichts dagegen machen.

Mir war auf einmal klar geworden, dass es niemanden gab, mit dem ich all das wirklich teilen konnte.
Und damit meine ich jetzt nicht nur mein Bett ;) Obwohl dieses Thema zu der Zeit auch eine große Baustelle war …
Aber es ging um mehr als das.
Ich hatte eigentlich weder wirklich enge Freunde noch die Kapazitäten für irgendeine tiefere Bindung. Denn sich verletzlich zu zeigen und emotional zu committen bedeutete für mich immer: ich verliere mich, ich verliere meine Freiheit, ich werde emotional instabil, und mein ganzes Leben kollabiert infolge dessen.
Ich war jemand, der die Menschen grundsätzlich auf Abstand hielt, aus schierer Existenzangst.
Wie Fr. Swift schreibt:
„When my depression works the graveyard shift, all of the people I’ve ghosted stand there in the room“
Talking about TOXIC.
Mir wurde schmerzlich klar, dass ich bis dato jede enger werdende Beziehung in meinem Leben teils sabotiert, teils falsch gewählt oder zu lange an Menschen festgehalten hatte, die nicht gut für mich waren.
„Ha, allein sein ist also auch keine Lösung“ – schoss es mir durch den Kopf – ich lachte säuerlich in mich hinein, während mein innerer Privatdetektiv sich meldete und anfing, folgende Überlegungen anzustellen:
Warum ist das so?
Warum passiert mir immer dasselbe?
Was stimmt nicht mit MIR?
Gerade die letzte Frage tat weh. Ein Teil von mir wollte sie nicht einmal ernst nehmen.
Doch (un)glücklicherweise war ich dieser Ego-Tricks müde geworden.
Ich war erschöpft und mit meinem Latein am Ende.
Ich war es leid, mich mit „ist-doch-nicht-so-schlimm“ über Wasser zu halten, wenn ich tief in mir einen unbarmherzigen Sog spürte, der mich jederzeit zu verschlingen drohte. Es zog mich in die Tiefe … endlich beschloss ich, den Widerstand aufzugeben.
„Was stimmt nicht mit mir?“ – die Frage hallte in meinem Kopf wider …
Dann wurde es plötzlich still. Fast friedlich. Und „Was stimmt nicht mit mir?“ fühlte sich plötzlich nicht mehr wie der Feind an.
Ein anderer Gedanke tauchte nun auf: „Warum habe ich es eigentlich nie in Betracht gezogen, diese Frage zu beantworten?“
Mein ganzes Leben lang hatte ich nämlich exakt das getan, was Taylor Swift in ihrem Song Anti-Hero so krass auf den Punkt bringt:
„I’ll stare directly at the sun but never in the mirror“ – und offensichtlich ist das wohl ein bekanntes Problem.
Lieber erblinden, statt sich selbst anzuschauen, wie man wirklich ist – Anti-Hero eben: ganz und gar du, mit Licht UND Schatten.
Auch ich war lieber geflüchtet. Immer wieder vom Regen in die Traufe, in dem Glauben, so dem Schmerz „auszuweichen“ – und doch hatte es nie funktioniert.
Nicht dieses Mal. Etwas in mir wollte jetzt eine Antwort, anstatt sich wie bisher bloß mit dem Unbehagen aufzuhalten, das die Frage nach meiner Fehlbarkeit auslöste.
Mein Bewusstsein öffnete sich einen Spalt breit, und eine neue Tür ging auf – wie wenn man in einem Haus, in dem man ein Leben lang gewohnt hatte, plötzlich einen geheimen Raum entdeckt.
In diesem Moment verstand ich etwas, das Taylor im Chorus formuliert:
„It’s me. Hi. I’m the problem, it’s me.“
Nicht die anderen – ich bin das Problem.
Diese Wahrheit traf mich wie ein Blitz. Aber nicht schmerzhaft, sondern erhellend. Jemand hatte in dem geheimen Räumchen jetzt auch noch das Licht angeknipst …
Und da sah ich es, as clear as day:
In all meinen Beziehungen, egal welcher Art, war ich die einzige Variable gewesen, die immer gleich blieb – während mir die unterschiedlichsten Menschen immer das Gleiche Feedback über mich gaben.
Hättest du mich damals gekannt, wärst du nie auf die Idee gekommen, dass ich so fühle und mit mir selbst so zu kämpfen habe. Nach außen war ich stark, unabhängig, funktionierend. Innen drin jedoch fragil, erschöpft – mit dem ständigen Gefühl, jemanden zu enttäuschen, der mir nahe steht.
Und genau dieses Ant-Hero-Gefühl beschriebt unsere Freundin Taylor in den nächsten Zeilen ihres Songs:
„It must be exhausting, always rooting for the anti-hero“
Ich war die, die sich all die Jahre auf ihren eigenen Schmerz konzentriert hatte, darauf Recht zu haben – und gleichzeitig vor den wichtigen Fragen davongelaufen war:
„Was ist hier das Muster, und wieso wiederholt es sich?“
Der Song Anti-Hero drückt es so aus:
„I have this thing, where I get older but just never wiser …“
Wollte ich wirklich ewig so weitermachen? Mich vor den Menschen und dem Leben verstecken? Mich selbst limitieren und begrenzen? Mich niemals voll auf irgendjemand einlassen können, nur weil ich dann nicht perfekt sein konnte?
Ich verstand, dass ich mich selbst nicht mochte, wenn ich die Kontrolle „verlor“ – was in jeder tieferen Bindung bis zu einem gewissen Grad passieren MUSS, damit man echt sein kann.
Wie gesagt: Stille ist tückisch.
Denn sie ist der ultimative Bewusstseins-Entwicklungs-Booster. Und Wahrheit ist unbestechlich. Einmal erkannt, kann man sie nicht mehr leugnen.
Es blieb mir also nur die eine Wahl: die Reise nach innen antreten und mir anschauen, was da los war … oder – oder was? Nein, es gab kein Zurück mehr, nur noch den Weg in die Tiefe.
Ich war also endlich bereit, die Wahrheit über mich selbst stehen zu lassen: Der Grund, dass mich emotionale Verbindungen überforderten und zermürbten, lag nicht im Außen – zumindest nicht im Wesentlichen.
Meine unbewussten Muster waren die Ursache.
Die Muster, die in engen Bindungen plötzlich aktiviert wurden und mich in bestimmte emotionale Reaktionen zwangen.
Doch witzigerweise kam mit diesem Durchbruch in meinem Denken noch etwas anderes mit, sozusagen huckepack: meine Unzulänglichkeit tat nicht mehr weh.
Es war nicht schlimm, dass „etwas mit mir nicht stimmte“. Denn ich wusste eines: Was auch immer dieses Etwas war, ich würde es herausfinden. Ich würde die Muster und Denkweisen knacken, ich würde „the code of being myself“ dechiffrieren – meinem inneren Detektiv sei Dank.
Also dann: Quest On.
Die Selbsterkenntnis wurde nun wichtiger als eine Beziehung zu manifestieren oder in Gesellschaft klarzukommen. Ich wusste und musste herausfinden, welche Muster mich steuerten und wie ich sie brechen konnte, um jeden Preis – selbst wenn es bedeutete, dass ich die Eigenbrödlerin bleibe, die ich ohnehin schon war.
Also hatte ich streng genommen nichts zu verlieren. Aber viel zu gewinnen.
The rest is history.
Dieser eine Moment, allein in meinem Schlafzimmer, ohne die Ablenkungen der lauten Welt, veränderte den restlichen Verlauf meines Lebens.
Weil ich nicht mehr so fokussiert darauf war, etwas „zum Laufen zu bringen“ oder ein bestimmtes Ergebnis im Außen zu erzwingen, sondern einfach die Wahrheit über mich selbst wissen wollte, wurde ich entspannter.

Ich wollte wirklich wissen, welches Muster mich kontrolliert, anstatt einfach so weiterzumachen und zu hoffen – und genau dadurch wurde ich resilienter, bekam Zugriff auf mein innerstes Feuer und meine angeborene, intrinsische Power.
Und indem ich mich endlich auf mich fokussierte, statt meine Mitmenschen fixen zu wollen, lebte ich Selbstliebe aus, denn ich war es mir nun selbst wert, mich mit meinem eigenen Shit auseinanderzusetzen.
Dieser Moment war auch die Geburtsstunde meiner Coaching-Arbeit, denn es macht mir auch heute noch unendlich viel Spaß, auf Schatzsuche zu gehen und die geheimen Codes meiner Seele zu entschlüsseln und anderen zu helfen, dasselbe zu tun.
Bewusstseinsarbeit ist eine Sache.
Aber Bewusstsein in Beziehungsfeldern ist echt, roh und sehr real greifbar. Bindungen führen uns ganz plastisch vor Augen, wo wir selbst noch unbewusst sind – eben WEIL sie starke Emotionen auslösen.
Fass dir ein Herz und schau hinter deinen Schmerz. Suche das Muster, die Message, den Sinn. Lass dich nicht davon abbringen, die Wahrheit über dich selbst herauszufinden.

Und denk immer daran: Bewusstheit tut nicht weh, Unbewusstheit schon.
Irgendwann hörst du auf, gegen den Anti-Hero zu kämpfen.
Und erkennst:
It’s me. Hi.
Love,
Kolinda 💛












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