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Positives Denken Vs. Innere Wahrheit

Warum die eigene Wahrheit so wichtig ist und wie „Positives Denken“

zu nicht so positiven Ergebnissen führen kann


Ich habe lange ein Leben gelebt, dass man als fremdbestimmt bezeichnen könnte. Ich dachte wirklich, dass es im Leben darum geht das zu tun, was von mir erwartet wird, sich der Norm zu beugen, ins Bild zu passen. Es den anderen recht zu machen, sich aufzuopfern, ein guter Mensch, ein braves Mädchen zu sein.


In Kroatien, wo ich geboren bin und meine Kindheit verbracht habe, herrschte damals noch eine andere Zeit und wir wurden dazu erzogen, die Autoritäten nicht in Frage zu stellen. Jede staatliche Institution war wichtiger, schlauer und irgendwie besser als der normale Mensch. Man hatte sich danach zu orientieren und nichts daran in Frage zu stellen. Die eigene, innere Wahrheit war zweitrangig. Natürlich kann ich nur für mich sprechen.. doch meine Erinnerung daran und auch die Art und Weise wie ich erzogen wurde, spiegelten diese Weltanschauung wieder.


Mir war lange Zeit nicht bewußt, dass dieses Mindset viele Probleme in meinem Leben verursachte.

Die Wahrheit der Anderen als meine eigene vorbehaltlos zu akzeptieren, ohne überhaupt daran zu denken diese in Frage zu stellen, waren mit zunehmendem Alter und Lebenserfahrung ein beträchtliches Hindernis für mein Glück. Zum großen Teil einfach deshalb, weil sich so viele Dinge, die man „halt so macht“, für mich einfach falsch anfühlten und je mehr ich versuchte in diese Schubladen hineinzupassen, desto lauter schrie es in meinem Inneren.


yellow thinking

Da ich von Natur aus hoch empathisch und sensitiv bin, war es mir auf Dauer unmöglich meine intensiven Gefühle zu ignorieren, die wie laut dröhnende Alarmglocken Herz und Verstand erschütterten und mir unmissverständlich zu verstehen gaben, dass hier irgendetwas total schief lief. Jede Tätigkeit die ich unternahm, in jeder Beziehung, Situation und bei jedem Glaubenssatz, der nicht mit meiner eigenen, inneren Wahrheit in Einklang war, fühlte ich mich anfangs nur unbehaglich, doch bald machte mich das Leugnen meines Selbst physisch und psychisch krank. Doch ich ignorierte alle Zeichen. Warum?


Ich hatte nie gelernt mein eigener Kompass zu sein. Stattdessen brachte man mir bei positiv zu denken und optimistisch zu sein: ich lernte mir die Dinge schön zu reden.

Und so vertraute ich darauf, dass mein Umfeld viel besser als ich selbst wusste wer ich war oder besser, wer ich zu sein hatte. Man hatte mir nicht beigebracht die eigene Wahrheit zu leben und auf dieser Grundlage selbstverantwortlich zu handeln und mein Leben zu gestalten. (Selbständigkeit, ja, doch Selbstverantwortung ist etwas ganz anderes.. ) Stattdessen brachte man mir bei positiv zu denken und optimistisch zu sein. Kein Wunder, denn in einer Gesellschaft, in der man alles einfach so hinzunehmen hat, und als Individuum nicht zählt, ist „Positives Denken“ vermutlich die einzige Möglichkeit mit dem Leben klar zu kommen. Auf gut deutsch: ich lernte mir die Dinge schön zu reden.


Und dabei wusste ich nicht einmal, dass ich die Wahrheit der anderen lebte. Weil ich aber zu so starken Gefühlsreaktionen neigte, und offensichtlich anders dachte und fühlte als es „normal“ war, verstand ich sehr schnell durch die Reaktion meiner Umwelt auf mich, dass ich NICHT normal war, dass ich nicht ins Raster passte und ich schloss daraus: „Mit mir stimmt was nicht“. Die Welt hatte über mich gerichtet und ihre Wahrheit kundgetan… und ich? Wieder einmal akzeptierte ich diese Wahrheit als meine eigene. Und so begann ich mich anzupassen, meine Gefühle zu unterdrücken, meine Intuition über Situationen und Menschen als bloße Fantasterei abzutun… kurzum: ich vertraute mir selbst nicht. Ich wusste nicht was richtig und was falsch ist, ich hatte keine Orientierung und keinen Weg. Ich war hoffnungslos verloren und trieb durchs Leben ohne Sinn und ohne Ziel.


Insbesondere in meinen Beziehungen zeigte sich das Problem ganz deutlich...

...frei nach dem Motto: „Er macht Dich traurig und Dir geht’s mit ihm nicht gut? Ach, es wird schon. Ist doch nicht so schlimm.“ - redete ich mir ein, „Eigentlich geht es mir doch ganz gut, er liebt mich ja und er hat ja auch viele gute Eigenschaften, er war halt sauer…“ Hm.. was ich dabei ausser Acht gelassen hatte: In Wirklichkeit ging es mir überhaupt nicht gut! Ich fühlte mich schlecht, mir war schlecht in und wegen dieser Beziehung, mit diesem Menschen, in diesem Umfeld. Doch das sogenannte „Positive Denken“ verhinderte, dass ich mir diese Wahrheit eingestehen konnte. Und das, obwohl mein ganzer Körper mir zu verstehen gab, dass das hier purer Stress für mich war. Ich hatte Angst vor den Konsequenzen die mich erwarteten, wenn ich mir die Wahrheit wirklich eingestehen würde. Doch im Nachhinein kann ich sagen, dass die Konsequenzen viel schlimmer und das Leid viel größer waren, wenn ich meine eigene Wahrheit ignorierte.


Wie gesagt, ich bin hoch emotional und früher war das für mich mehr Segen als Fluch. Heute ist es umgekehrt: Meine Emotionen lassen mir schlicht keine Wahl. Ich kann mir nichts schön reden, geschweige denn gegen meine Wahrheit angehen. Wenn man einmal Blut geleckt hat und gemerkt hat wie gut es tut, wie ganz und heil man sich fühlt wenn man einfach nur hinter sich selbst steht, dann gibt es kein Zurück mehr. Und es ist gut so...


… denn wenn das „Positive Denken“ dafür mißbraucht wird sich Dinge, Menschen, Situationen und Beziehungen schön zu reden, die so überhaupt nicht für einen gemacht sind, dann ist das kein Positives Denken mehr, sondern Verdrängen. Das Verdrängen und Leugnen des eigenen Selbst.

Es lohnt sich in sich hineinzuhorchen und sich die wichtigen Fragen zu stellen: „Bin ich glücklich?, Fühlt sich das gut an? Wer will ich sein? Wie will ich leben? Wie möchte ich behandelt werden?“ Die schlechte und gleichzeitig auch gute Nachricht hierbei ist: Niemand kann Dir die Antworten drauf geben. Nur Du selbst. SELBST- BEWUßT zu werden, sich selbst kennen und schätzen lernen geht nur über das Fühlen… denn das Fühlen enthüllt sie erst: die ganz persönliche, eigene Wahrheit.


In einer Welt, die so schnelllebig und verwirrend ist, verliert man sich leicht. Man verliert den Kontakt zu sich selbst und stellt sich die wichtigen Fragen nicht mehr. Dabei ist es gerade dann wichtiger denn je seine Emotionen als Kompass zu nutzen. In den Momenten, vor denen wir alle am meisten Angst haben, den Momenten der Stille, zeigt sich, wer wir wirklich sind.. wenn wir dann bereit sind uns die Wahrheit einzugestehen und unser Leben danach auszurichten, was sich für uns selbst richtig anfühlt, wird es mit einem Schlag schlicht unwichtig, was andere über diese Entscheidung denken.




Für mich ist seither die innere Zufriedenheit darüber, dass ich mir selbst und meiner Wahrheit treu bleibe, der größte Lohn und das schönste Geschenk, dass mir niemand machen kann.. ausser ich mir selbst.


<3 Kolinda Groe

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