Außen stark - Innen weich

Warum ich mich in engen Bindungen selbst aufgab, obwohl ich nach außen hin selbstbewusst wirkte – und warum meine Sensibilität nie das eigentliche Problem war
Ich hatte mir schon immer tiefe Connections gewünscht. Zu Freundinnen, Familie, Partnern, Kollegen. Doch sobald ich mich zeigte, wie ich war und meine verletzliche Seite offenlegte, wurde ich oft betrogen, ausgenutzt oder schlicht missverstanden.
Das Ergebnis war: enge Bindungen waren stressig, anstrengend und irgendwie ein großes Rätsel für mich.

Damals wusste ich das noch nicht, aber ich war von Grund auf hochempathisch veranlagt. Manche nennen es heute Hochsensibilität, manche sogar Hochbegabung… für mich war ich einfach nur ich.
Ich konnte einfach gut fühlen. Schon immer. Menschen, Orte, Tiere. Musik, Kunst, Geschichten. Und auch so manches, das sonst niemand sah oder hörte oder fühlen konnte. ;)
Dabei kam ich mir nicht etwa komisch vor. Intuition war einfach mein Ding. Und ich dachte, jeder Mensch ist so wie ich.
Dann irgendwann, ich war noch ein Kleinkind, bemerkte ich, dass die Fähigkeit, Räume, Stimmungen und Menschen zu lesen, sogar lebensnotwendig für mich war. Natürlich war das damals kein bewusster Gedanke gewesen… aber ab einem gewissen Punkt hatte sich etwas in mir verdunkelt – und ich begann, mich unsichtbar zu machen.
Man lernt, Konflikten aus dem Weg zu gehen, sich zurückzunehmen, nichts zu verlangen.
Man lernt, sich klein zu machen um der Liebe willen…
Und es dauert viele Jahre, bis einem klar wird, dass DAS nichts mit Liebe zu tun hat.
Denn wenn man sich selbst verliert, hat man alles verloren.
Meine Sensibilität wurde also zur Überlebensstrategie.
Jedes Mal, wenn die Stimmung meiner Mutter zu kippen drohte oder wenn mein Vater schlechte Laune hatte, wusste ich, das Schlimmste zu verhindern, indem ich meine eigenen Emotionen, Bedürfnisse und Wünsche maskierte und sogar ausschaltete – um ihnen ihre zu erfüllen.
Empathie und Intuition als Sicherheitsnetz.
Außerdem:
Jede Frau weiß, dass wir als weibliche Wesen gesellschaftlich dazu konditioniert werden, Beziehungen zu priorisieren und uns nach anderen zu richten, bevor wir an uns selbst denken.
Dieses kollektive, von der Gesellschaft erschaffene Identitätsbild der Frau mag subtil sein, fast unsichtbar. Aber es greift tagtäglich in jeden Bereich unseres Lebens ein. Und zwar ganz einfach deshalb, weil unser aller Leben auf Beziehungen aufbaut und von ihnen abhängt.
Und dann gibt es da natürlich auch noch eine biologische Komponente, die uns Frauen intrinsisch zu eigen ist: Für uns sind Beziehungen grundsätzlich n emotionales Ding.
Jedenfalls führte diese Kombination von Faktoren dazu, dass ich mich selbst immer hinten anstellte, meine Bedürfnisse und Wünsche ignorierte und nach außen stabil war – oder besser gesagt: gefügig.
Niemand durfte bemerken, wie es in mir drin wirklich aussah. Und auf keinen Fall durfte ich mich weich oder sensibel zeigen … oder verletzlich. Denn DAS war nicht sicher.
In frühster Kindheit hatte ich nämlich „etwas sehr Wichtiges gelernt“: keine negativen Emotionen.
„Die sind nicht erlaubt.“
Da aber genau diese intensiven Emotionen, die ich konstant in mir spürte, meiner hohen Empathiefähigkeit und Sensibilität entstammten und mir das auf einem unbewussten Level damals schon klar war, formte sich in mir ganz schnell die Message:
„Du musst stark sein. Oder zumindest weniger ‚empfindlich‘, denn sonst ist was mit dir nicht richtig.“
Dann zogen wir aus Kroatien nach Deutschland um. Hier lernte ich, dass „cool“ sein wichtiger ist als herzlich sein. Dass ich mich „emotional verstecken“ musste, wenn ich sozial überleben wollte.
Ich wurde älter. Grundschule. Realschule. Gymnasium.
Berufsleben.
Beziehungen.
Ich versteckte mich.
Meine Warmherzigkeit, mein Mitgefühl, mein Inneres, meine Seele.
Die innere Leere, die ich dann empfand, wollte mich schier verschlucken.
Ich opferte mich auf in Beziehungen – beruflich und privat, sagte niemals nein.
People Pleasing war meine Superkraft geworden.
Ich zog sogar meinen ganzen Wert daraus, wie andere mich beurteilten und ob sie mich mochten.
Und das, obwohl ich als Sängerin erfolgreich und nach außen selbstbewusst und auf manche Menschen sogar ziemlich arrogant wirkte.

Wenn die wüssten!
Niemand hätte jemals gedacht, dass ich – when the lights go down – mich so alleine fühlte.
Innendrin war ich unsicher, sensibel und weich wie ein Marshmallow.
Und wie gesagt: weich sein war in meiner Welt (damals) nichts Gutes :/
Ich hatte gelernt, meine Sensibilität gegen mich selbst einzusetzen
– zum Teil einfach auch, weil ich nicht wusste, was ich zum Teufel damit anfangen sollte, wenn es mir doch von außen ständig als wrong gespiegelt wurde?!
Und so spielte es keine Rolle, wie viele Komplimente mir gemacht wurden.
Es war egal, wie vielen Menschen ich etwas gab, indem ich „einfach nur sang“.
Bei mir selbst kam diese Wertschätzung und die Relevanz meiner Existenz einfach nicht an.
Als wäre da eine Art verdrehter Schutzschild – nur dass dieser mich vor den Good Vibes „schützte“, indem ich sie zwar sehen konnte, aber nicht fühlen und geschweige denn absorbieren.
Ich war isoliert. Irgendwie vom Rest der Welt abgespalten.
Ich lief konstant im Überlebensmodus. Und das war extrem energiezehrend.
Das Leben ging weiter.
Aber das Gefühl des Nirgendwohin-Gehörens blieb.
Denn jedes Mal, wenn ich mit einer Person emotional involviert war, begann ich mich irgendwie aufzulösen.
Und genau deshalb waren enge Bindungen auch so schwierig für mich. Und genau deshalb ging es mir alleine, zumindest eine Zeit lang, besser. Die Einsamkeit war ein guter Freund geworden.
So sehr ich mir auch wünschte, mein ganzes Wesen zeigen zu können – gleichzeitig wollte ich mich aber auch NICHT committen, aus Angst, mich selbst wieder zu verlieren.
Ich hatte keine Ahnung, wie Bedürfnisse ohne Bedürftigkeit gehen. Ich wusste nicht, was gesunde Grenzen überhaupt bedeuteten. Und ich war so emotional abhängig davon, dass mich jemand in meinem ganzen Sein bestätigte, dass ich mich so sehr verbogen hatte, dass ich meine eigene Form nicht mehr wahrnehmen konnte.
Mich selbst hatte ich in diesen Beziehungen verlassen.

Umso krasser war es dann für mich, wenn sich jemand wirklich für mich zu interessieren schien.
Doch genau da sprang auch das alte innere Programm wieder an:
„Wenn ich mich an die Regeln halte und alles mache, was die wollen, mich anpasse, koste es, was es wolle, dann gehöre ich dazu.“
Und die leise, unbewusste UND leider falsche Hoffnung:
"Vielleicht darf ich dann endlich ich selbst sein.“
Dass diese „Strategie“ nicht ewig aufrechterhalten werden kann, ist ja klar.
Und so kam es, dass, je enger die Bindungen wurden, ich mich zögerlich traute, mich wirklich verletzlich zu zeigen … und das kam nicht gut an.
Wenn ich dann jemanden nah genug an mich heranlassen konnte und meine Fassade zerbröselte wie schlecht verputzter Mörtel, wurde es sichtbar: Ich war erschöpft, verzweifelt und innerlich leer.
Und auch das kam nicht gut an.
Mein ganzes Erwachsenenalter hindurch ging das dann so weiter:
Die eine beste Freundin ist nur meine beste Freundin, solange ich die Starke und Selbstbewusste spiele.
Der Typ steht nur so lange auf mich, solange ich einen auf tough und unnahbar mache und so tue, als wäre er mir egal (genau das Gegenteil war natürlich der Fall).
Verfügbar sein.
Immer vorzeigbar sein.
Und bloß keinen Stress machen.
Und als Sängerin?
Solange ich cool und witzig war, während ich gleichzeitig wie aus’m Ei gepellt dastand und gesanglich „ablieferte“, war alles tutti.
Aber wehe, ich hatte mal einen schlechten Tag.
Wehe, ich machte auch nur einen Mini-Fehler – das war man von mir nicht gewohnt.
Ich hatte gefälligst zu funktionieren. Die Säule sein, auf die man sich immer verlassen kann.
Die „Maschine“ sein, die niemals kaputt geht …
Ja, ich war stark. Habe funktioniert. Für andere …aber nicht für mich.
Ich gab mich als eine andere aus. Ich trug Masken.
Ganz ehrlich?
Ich belog alle um mich herum, indem ich die war, die ich sein „sollte“, anstatt die zu sein, die ich wirklich bin.
Der Grund, warum ich immer dann verletzt wurde, wenn ich mich verletzlich zeigte, war einfach:
Ich hatte meine Sensibilität und Tiefgründigkeit vor der Welt versteckt. Und so wusste niemals eine Seele, wer ich wirklich war.
Ich wusste nicht, dass es okay ist, so zu sein, wie ich bin. Und auch normal … nur eben anders normal als die meisten. :)
Und sobald es dann emotional wurde waren die Menschen um mich herum geschockt und fragten sich:
„Wieso ist sie jetzt so anders?“
Dabei war das das erste Mal, dass sie mich wirklich sahen.
Es ist schon lustig:
Man bemerkt oft erst, wie wichtig man für Menschen ist, wenn man nicht mehr so funktioniert, wie sie einen brauchen.
Doch am Ende konnten SIE auch nichts dafür, dass mein Bewusstseinsstand da war, wo er war.
Auch ich konnte dafür nichts.
Niemand.
Es gibt keine Schuldigen.
Aber es gibt Erfahrung, aus der wir lernen können, dass es Zeit ist, einen anderen Weg einzuschlagen.
Mein Turning Point war simpel.
Eines Tages klang mir eine Frage im Kopf und wollte nicht mehr verstummen:
„Gibt es denn hier niemanden, der mich so nimmt, wie ich wirklich bin?
Menschen, bei denen ich mich einfach zeigen kann, ohne dafür verurteilt zu werden, dass ich eben genau so bin?“
Genau hier begann meine Reise.
Ich begann, mich selbst und mein Inneres zu erforschen.
Viele Stunden in der Natur.
Innere Fragen, die in der Stille auf meine Wahrheit trafen.
Meine größte Erkenntnis daraus ist aber folgende:
Sensibilität ist nicht das Problem.
Das war sie nie.
Sie ist nichts, das man heilen muss! Sie ist keine Krankheit – im Gegenteil. Sensibilität liefert wertvolle Informationen. Sie ist fast wie ein eigenes Sinnesorgan. ;)
Das Problem ist, dass ich ein Leben lang Lügen über mich selbst geglaubt hatte, die in Form von unbewussten Überzeugungen, Mustern und Glaubenssätzen mein Bewusstsein fluteten … und auch wenn sie zum Teil nicht einmal meine waren, so hatte ich diese Gedanken mein Leben lang geglaubt.
„Mit mir stimmt etwas nicht. Ich bin zu empfindlich. Niemand liebt mich so, wie ich bin.“
Erst diese „Programmierungen“ auf unterbewusster Ebene verwandeln Sensibilität in Leid.

So gesehen hatte ich mein Leben lang einen Kompass in mir, der so gut ausschlug, dass ich ihn nicht unterdrücken konnte, so sehr ich es auch versuchte.
Dieser Bullshit-Sensor meldete immer sehr zuverlässig, wenn ich mich von mir selbst entfernte.
Das ist es nämlich, was Gefühle tun.
Schmerz ist immer ein Zeichen dafür, dass wir uns selbst verlassen haben.
Dass fremde und erlernte Muster und konditionierte Gedankenkonstrukte die Kontrolle übernehmen.
Und am Ende blockieren sie uns so stark, dass wir nicht mehr wissen, wer wir sind – dann suchen wir nach anderen, die uns sagen sollen, wer wir denn sind, bitteschön.
Diese aufzulösen und zu transformieren war also der Schlüssel.
Es erlaubte mir, mich selbst wiederzufinden und mich zu trauen, ich zu sein – vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben.
Erst da konnte ich auch noch etwas anderes erkennen: Ich konnte Gefühle, Gedanken und Bewusstseinszustände transformieren und mich so von Schwere und Negativität befreien.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich weich sein darf und trotzdem stark sein kann.
Sogar stärker als zuvor.
Bis heute bin ich ein Mensch, der in Beziehungen alles gibt. Aber heute brenne ich dabei nicht aus, weil ich mich mit all meiner Gefühlsduseligkeit annehmen kann. ;)
Denn Sensibilität, die angenommen, geehrt und für sich statt gegen sich selbst genutzt wird, ermöglicht ein enormes Upgrade: tiefe Erfüllung und Zufriedenheit – vor allem dort, wo ich mich früher kolossal verloren hätte: in meinen engsten Beziehungen.
xx Kolinda <3
Wenn meine Geschichte dich berührt hat und du gerade mit ähnlichen Problemen kämpfst, dann habe ich hier etwas, dass dir weiterhelfen kann:





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